Wenn man in Deutschland an Spanien denkt, tauchen oft sofort ein paar typische Bilder auf: Sonne, Strand, Paella, Flamenco – und natürlich die Siesta.
Das Klischee ist bekannt: Alle Spanier schlafen jeden Tag nach dem Mittagessen zwei oder drei Stunden. Die Geschäfte schließen, die Straßen werden leer und das ganze Land macht erst einmal Pause.
Aber stimmt das wirklich?
Nicht wirklich.
Natürlich gibt es die Siesta in Spanien. Aber längst nicht alle Spanier machen jeden Tag ein Nickerchen, die Geschäfte schließen nicht grundsätzlich, damit ihre Mitarbeiter schlafen können, und eine Siesta muss auch nicht mehrere Stunden dauern.
Vor allem in Großstädten wie Valencia, Madrid oder Barcelona ist sie für viele Menschen im Alltag heute eher eine Ausnahme als eine feste Gewohnheit.
Und trotzdem: Wer einmal nach einem ausgiebigen Mittagessen die Möglichkeit hatte, sich für ein paar Minuten hinzulegen, wird verstehen, warum die Siesta ihren guten Ruf nicht ganz verloren hat.
Denn eine kleine Pause nach dem Essen gehört durchaus zu den angenehmeren Dingen des Lebens.
Allerdings hat jeder seine eigene Methode.
Manche brauchen absolute Ruhe, heruntergelassene Rollläden und ein richtiges Bett. Andere schaffen es problemlos, zwanzig Minuten auf dem Sofa einzuschlafen. Und dann gibt es noch die Profis, die behaupten, sie würden nur kurz die Augen schließen – und zwei Stunden später nicht mehr wissen, welcher Wochentag gerade ist.
Aber woher kommt die Siesta eigentlich? Ist sie wirklich eine typisch spanische Erfindung? Und wie lange sollte die perfekte Siesta dauern?
Zeit für acht Fakten, die vielleicht auch einige Deutsche überraschen werden.
- Die Siesta wurde nicht in Spanien erfunden
Auch wenn die Siesta international eng mit Spanien verbunden wird, ist sie deutlich älter.
Der Begriff stammt vom lateinischen Ausdruck sexta hora, also der sechsten Stunde des Tages. Die Römer teilten die Zeit anders ein als wir heute und machten um die Mitte des Tages eine Pause zum Essen und Ausruhen.
Aus dieser sexta hora entwickelte sich im Laufe der Zeit das Wort Siesta.
Mit anderen Worten: Die Römer kannten das Prinzip der Mittagspause schon lange, bevor Spanien überhaupt für seine Siesta berühmt wurde.
Ob sie damals auch darüber diskutierten, wer am lautesten geschnarcht hat, ist allerdings nicht überliefert.
- Auch Mönche kannten die Kunst der Pause
Die Siesta hat sogar eine Verbindung zum Klosterleben.
In der Regel des heiligen Benedikt, die im 6. Jahrhundert entstand, wurde der Tagesablauf der Mönche genau geregelt. Dazu gehörten auch Zeiten der Ruhe und des Schweigens während der heißeren Stunden des Tages.
Man kann sich die Situation ziemlich gut vorstellen: absolute Ruhe, Stille, vielleicht sommerliche Temperaturen …
Da dürfte es nicht allzu schwer gewesen sein, dass dem einen oder anderen Mönch irgendwann die Augen zufielen.
- Es gibt mehr als eine Art von Siesta
Die klassische Siesta kennt jeder: Mittagessen, eine kurze Pause und danach geht es weiter.
Weniger bekannt ist dagegen die sogenannte Siesta del carnero.
Dieser Begriff bezeichnet eine Ruhepause, die traditionell von Hirten vor dem Mittagessen gemacht wurde, während ihre Tiere auf der Weide grasten.
Ein Baum, ein bisschen Schatten, die Geräusche der Natur und ein paar Minuten Ruhe.
Ganz ehrlich: Das klingt eigentlich ziemlich idyllisch.
- Viele Spanier machen überhaupt keine Siesta

Hier wird es für viele Deutsche wahrscheinlich überraschend.
Denn trotz des bekannten Klischees gehört die tägliche Siesta für einen großen Teil der spanischen Bevölkerung längst nicht zum Alltag.
Arbeit, Schule, lange Wege und das Leben in den Großstädten lassen oft wenig Gelegenheit, nach dem Mittagessen nach Hause zurückzukehren und sich hinzulegen.
Natürlich gibt es Menschen, die regelmäßig eine Siesta machen. Besonders an Wochenenden, im Urlaub oder während der heißen Sommermonate ist ein kurzes Nickerchen durchaus beliebt.
Aber die Vorstellung, dass jeden Nachmittag ganz Spanien gleichzeitig schläft, gehört eher in die Welt der Touristenklischees.
- Spanien hat kein Monopol auf das Mittagsschläfchen
Und jetzt kommt vielleicht die größte Überraschung.
Ein kurzes Nickerchen während des Tages ist keineswegs eine rein spanische Angelegenheit.
Auch in vielen anderen Ländern und Kulturen gehört eine Ruhepause nach dem Essen oder während des Tages zum Alltag. Inzwischen wird das kurze Nickerchen sogar häufig als Möglichkeit gesehen, neue Energie zu tanken und konzentrierter weiterzuarbeiten.
Vielleicht sollten wir also aufhören, die Siesta ausschließlich mit Spanien zu verbinden.
Denn Müdigkeit nach dem Mittagessen ist schließlich ein ziemlich internationales Phänomen.
- Die perfekte Siesta sollte nicht zu lange dauern
Hier kommt ein wichtiger Hinweis für alle, die sich gern hinlegen und dann etwas die Kontrolle über die Zeit verlieren.
Eine kurze Siesta kann helfen, sich wieder wacher und erholter zu fühlen.
Wird sie allerdings zu lang, kann das Aufwachen deutlich schwieriger werden.
Fast jeder kennt diese Situation: Man legt sich hin und denkt:
„Ich schließe nur kurz die Augen.“
Und plötzlich wacht man auf, schaut auf die Uhr und braucht erst einmal ein paar Sekunden, um zu verstehen, was passiert ist.
Viele Experten empfehlen deshalb eine kurze Ruhepause von ungefähr 20 bis 30 Minuten.
Genug, um neue Energie zu sammeln – aber hoffentlich nicht so lange, dass man nach dem Aufwachen glaubt, in eine andere Zeitzone gereist zu sein.
- Eine kleine Pause kann richtig guttun
Ein kurzes Nickerchen kann helfen, Müdigkeit zu reduzieren und die Konzentration zu verbessern, besonders wenn man in der Nacht zuvor nicht ausreichend geschlafen hat.
Auch die Stimmung kann von einer kleinen Pause profitieren.
Der entscheidende Punkt ist allerdings die Länge.
Denn es gibt einen Unterschied zwischen einer kurzen Siesta und einem dreistündigen Nachmittagsschlaf, nach dem man aufwacht und sich fragt, warum es plötzlich dunkel ist.
- Das Sofa ist der heimliche König der Siesta
Wenn es Zeit für ein kleines Nickerchen ist, hat jeder seine eigenen Vorlieben.
Manche brauchen ein Bett, Dunkelheit und absolute Ruhe.
Andere setzen sich einfach aufs Sofa, schalten den Fernseher ein und schließen für einen Moment die Augen.
Und verschwinden.
Das Sofa oder der Sessel gehören auch in Spanien zu den beliebtesten Orten für eine spontane Siesta. Denn seien wir ehrlich: Wenn man erst aufstehen, sich umziehen und das Schlafzimmer vorbereiten muss, plant man vielleicht schon eher einen richtigen Schlaf als nur eine kleine Pause.
Und nun: Machen die Spanier wirklich Siesta?
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Manche schon, andere nicht.
Die Siesta gehört zur Geschichte und Kultur Spaniens, aber sie ist keine nationale Pflicht.
Der Alltag und die Arbeitszeiten haben sich verändert, und für viele Menschen ist eine Siesta heute eher etwas für das Wochenende, den Urlaub oder einen besonders ruhigen Nachmittag.
Trotzdem hat sie etwas, das auch außerhalb Spaniens leicht zu verstehen ist.
Nach einem guten Mittagessen, an einem heißen Sommertag oder einfach dann, wenn die Müdigkeit langsam gewinnt, kann eine kleine Pause manchmal genau das Richtige sein.
Dafür braucht man weder drei Stunden Zeit noch einen Pyjama. Und natürlich muss auch nicht das ganze Land seine Geschäfte schließen.


